Traditionelle Berufe erfinden sich neu

19. November 2019

Traditionelle Berufe erfinden sich neu

Die Berufsmesse Zürich 2019 ist eröffnet. Schon früh fanden sich heute Morgen Hunderte von Schulklassen in den Messehallen ein. An der Eröffnungsfeier sprachen Regierungsrätin Silvia Steiner sowie Dieter Kläy, Kantonsratspräsident Zürich und Präsident der Berufsbildungskommission des KGV, vom Wert der Berufsbildung. Und zwei Teilnehmerinnen der World Skills in Kasan erzählten von ihren Erlebnissen.

Die 15. Berufsmesse Zürich zog heute Morgen Tausende Oberstufenschülerinnen und -schüler, aber auch viele Eltern und Lehrpersonen an. Zürich werde während fünf Tagen zum Berufs-Hotspot, freute sich Regierungsrätin Silvia Steiner, die auch die Erziehungsdirektorenkonferenz präsidiert. Von rund 55 000 erwarteten Besuchern kämen allein 20 000 aus umliegenden Kantonen. «Die Arbeitswelt entwickelt sich rasant, daran muss sich auch die Berufswelt permanent anpassen», erklärte die Zürcher Bildungsdirektorin. Eine weitere Herausforderung «Rund 10'000 Lernende mehr brauchen in naher Zukunft eine Ausbildungsstelle.» Ein Höhepunkt für sie: Der Wettkampf um die kantonale Meisterschaft der Fachkräfte Gesundheit (FaGe), bei der live vor Publikum in einer Spitalsituation eine Patientin gepflegt und versorgt wird. Kantonal stelle sich die Herausforderung, innert zehn Jahren 10 000 Lehrstellen mehr für die nachrückenden geburtenstarken Jahrgänge zu stellen. Sie sieht die Veränderungen vor allem als Chance, zu denen sie auch – im Sinne der Optimierung – die Bildung von kantonalen Kompetenzzentren aus den bisherigen 29 Berufsfachschulen zählt.

Wie Steiner, wies auch Thomas Hess, Geschäftsführer des KMU- und Gewerbeverbandes Kanton Zürich (KGV) auf den technologischen Wandel hin, der zur Flexibilität zwinge, um alte Berufsbilder stets neu zu interpretieren. «Unsere KMU sind Integrationsmaschinen», sagte Hess vom KGV, der gemeinsam mit der MCH Messe Zürich die Berufsmesse veranstaltet. Doch es sei den Berufsverbänden zu verdanken, dass sie die Ausbildungen und mithin die Berufsbilder den Bedürfnissen einer sich rasant wandelnden Gesellschaft anpassten und aktuell blieben. In einer Zeit, in der die Globalisierung, Digitalisierung und Automatisierung die Wirtschaft fest im Griff habe, sei eine gute Ausbildung alternativlos.
Diesen Faden nahm auch Dieter Kläy auf, Präsident der Bildungskommission des KGV. Die Berufsmesse Zürich als einer der wichtigsten Ausbildungsanlässe der Schweiz gebe einen Überblick über die Berufswelt, in der vor allem eines konstant ist: Der Wandel. Immer mehr Anforderungen hätten junge Berufsleute in der Lehre zu verarbeiten, immer mehr werde entsprechend in die Ausbildungen gepackt. Zwei- bis dreimal werden die angehenden Lehrlinge in Zukunft ihren Beruf wechseln, rechnete er vor, und viele Berufe seien in 20, 30 Jahren nicht mehr dieselben. Eine wichtige Rolle komme der frühzeitigen Berufswahlvorbereitung zu, welcher der Lehrplan 21 schon mit Modulen ab der 2. Sekundarklasse gerecht werde. Im Zuge der Digitalisierung, Automatisierung in Industrie und Gewerbe fallen zwar viele Berufe weg. Doch nehme im gleichen Zuge der Stellenwert von sozialen und Selbstkompetenzen zu.

Zwei Teilnehmerinnen der Berufs-WM berichten
Von beiden und von einem guten Selbstvertrauen zeugten an der Eröffnung die beiden Teilnehmerinnen aus dem Kanton Zürich an den World Skills in Kasan (RU): Die Kosmetikerin EFZ Vanessa Tschümperlin (22) und die Bäckerin-Konditorin Rahel Weber (21). Auch wenn Webers künstlerische Zuckerkreation an der Messe etwas unglücklich in sich zusammenfiel, galt dies nicht für ihre Hoffnungen für die Zukunft – in 20 könne sie sich vorstellen, im selben Beruf tätig zu sein. Gefragt, was sie jungen Berufsleuten auf den Weg geben würden, meinte Tschümperlin im Interview mit Werner Scherrer: «So viel wie möglich schnuppern. Und vielleicht bei der Berufswahl nicht immer auf Vater und Mutter hören.» Auch Weber riet, das zu erlernen, was man gern tut. Im Anschluss ehrten Scherrer und Regierungsrätin Silvia Steiner die beiden jungen Frauen als Vorbilder für die Jugend mit Einkaufsgutschein und Blumenstrauss.

«Die 15. Auflage der Berufsmesse Zürich hat es in sich.» Mit diesen Worten begrüsste Encarnación Maria Dellai, Direktorin MCH Messe Zürich, die gut 100 Gäste bei der Eröffnung. Obwohl die die Handwerksberufe beliebt seien, blieben viele Lehrstellen unbesetzt. Daher sei die diesjährige Berufsmesse so wichtig für Aussteller der traditionellen Berufe: Sie könnten auf attraktive Weise vermitteln, dass klassische Handwerksberufe nicht alt seien, sondern mit der Zeit gingen. Flexibilität, Kreativität und Offenheit gegenüber Neuem ist gefragter denn je – und der technologische Wandel verändere auch klassische Handwerksberufe zusehends.

Wichtige Partner
Organisiert wird die Berufsmesse Zürich vom KMU- und Gewerbeverband Kanton Zürich (KGV) und der MCH Messe Zürich. Als grösstem Arbeitgeberverband des Kantons Zürich ist dem KGV die Berufslehre ein besonderes Anliegen, um die Bedingungen für die KMU-Lehrbetriebe, die 80 Prozent der Lernenden ausbilden, permanent zu verbessern.

Zu den Sponsoren der Berufsmesse Zürich zählen die Zürcher Kantonalbank, der Berufsbildungsfonds des Kantons Zürich sowie das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation. Medienpartner der Berufsmesse Zürich sind Energy Zürich, TeleZüri und der Tages-Anzeiger.